Betrachtung zum Thema Nearshoring-Strategien für Unternehmen in der DACH-Region

Das Wirtschaftswachstum Wetseuropas gerät zunehmend ins Stocken und allgegenwärtiger Kostendruck ist zur neuen Normalität geworden ist. Der “Fachkräftemangel” ist leider ein Buzzword geworden. Damit stehen mittelständische Unternehmen in der DACH-Region vor einer bislang beispiellosen Herausforderung. Es  müssen Strategien entwickelt werden, welche diesen Randbedingungen trotzen und Wachstum sowie Stabilität in einer zunehmend unsicheren Zukunft sichern.

Eine wichtige Option ist hierbei das sogenannte Nearshoring-Strategie. Um diese umzusetzen gibt es prinzipiell zwei Optionen. Es kann entweder eine eigene Niederlassung im Ausland aufgebaut werden oder es kann eine Partnerschaft mit einem lokalen Unternehmen eingegangen werden. Beide Strategien haben ihre Vor- und Nachteile, die sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen.

Im Blog erläutern wir zunächst die Begrifflichkeiten und benennen Schlüsselfaktoren, die generell für Nearshoring sprechen und stellen anschließend diese beiden Optionen, Nearsoring produktiv umzusetzen gegenüber.

Nearshoring. Eine optimale Kombination im Spannungsfeld von Off- und Reshoring

Nearshoring bezeichnet eine Outsourcing-Strategie, bei der Unternehmen bestimmte Geschäftsprozesse oder Dienstleistungen an Standorte in geografisch nahen Ländern auslagern oder aus Offshoringaktivitäten zurück nach Europa zu holen (Reshoring). Im Gegensatz zum Offshoring, wo die Verlagerung oft in weit entfernte Länder, wie China und Indien erfolgt, zielt Nearshoring darauf ab, die Vorteile niedrigerer Kosten und einer qualifizierten Arbeitskräftebasis mit der Nähe zum Heimatmarkt zu kombinieren sowie das Risiko instabiler und langer Lieferketten zu reduzieren.

Die Bestrebung, Nearshore-Kapazitäten aufzubauen, wird von mehreren Schlüsselfaktoren angetrieben, die für Unternehmen in der DACH-Region besonders überlegenswert sind

An erster Stelle ist die Kosteneffizienz zu nennen. Nearshoring ermöglicht es den Unternehmen von niedrigeren Arbeits- und Betriebskosten in den Nearshore-Ländern zu profitieren, ohne dabei auf hohe Qualitätsstandards verzichten zu müssen.

Wenn wir über Kosten sprechen, muss jedoch berücksichtigt werden, welche Bausteine der eigenen Wertschöpfung in welchem Umfang und über welche Zeiträume hinweg über Nearshoringkonzepte abgewickelt werden sollen. Langfristige, großvolumige Aufträge erzeugen einen anderen Entscheidungshorizont, als eher kurzfristige, kleinteilige und vielseitige Themen.

Gleich im Anschluß an den Kostenaspekt kommt der Zugang zu qualifizierten und motivierten Fachkräften. In vielen Nearshore-Ländern gibt es einen großen Pool an gut ausgebildeten, technisch versierten Fachkräften., welcher von einer intakten. Leistungsstarken  Hochschullandschaft flankiert von staatlichen Förderungsmaßnahmen im Bereich Bildung gespeist wird. Dies ist besonders wichtig in Bereichen wie IT und Softwareentwicklung, wo Fachkräftemangel in den DACH-Ländern ein immer wieder genanntes Problem darstellt.

Die Nearshore-Standorte bieten zudem den Vorteil geringer Zeitunterschiede und räumlicher Nähe, was die Kommunikation und Koordination zwischen den Teams erleichtert. Dies ist besonders wichtig für agile Arbeitsweisen und Projekte, die eine enge Zusammenarbeit erfordern.

Ein weiterer belastbarer Grund sind kulturelle und sprachliche Ähnlichkeiten mit den Auftraggebern. Nearshore-Standorte haben viele kulturelle und oft auch sprachliche Gemeinsamkeiten mit den DACH-Ländern, was die Zusammenarbeit erleichtert und Missverständnisse reduziert.

Nicht zu unterschätzen ist für die Unternehmen die Risikominimierung. Durch die Nähe zu den Standorten können Risiken, die in der Regel mit Offshoring verbunden sind, wie politische Instabilität, kulturelle Unterschiede und nicht zuletzt lange sowie in letzter Zeit zunehmend unsichere Transportwege, minimiert werden.

Die Unternehmen können schnell auf Veränderungen in ihrem Geschäftsumfeld reagieren und ihre Kapazitäten je nach Bedarf flexibel anpassen. Das gilt besonders für produktionsnahe und fertigungsintensive Bereiche, trifft aber auch für agile Softwarentwicklerteams zu.

Es kommt dazu, dass durch die Nähe und die direktere Kontrolle über Nearshore-Operationen, Unternehmen die Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen besser und zuverlässiger sicherstellen können.

Oft wird unterschätzt, dass Nearshoring auch eine Strategie sein kann, um neue Märkte zu erschließen. Durch eine Präsenz in einem Nearshore-Land können Unternehmen bekannter werden und leichter lokale Märkte bedienen sowie neue Kundenbeziehungen aufbauen. Dieser Aspekt kommt als “added value”  dazu.

Insgesamt stellt Nearshoring für viele Unternehmen Westeuropas eine veritable Option dar, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, indem sie Kosten sparen, neue Märkte erschließen, Zugang zu Talenten erhalten und gleichzeitig eine hohe Qualität und Effizienz ihrer wertschöpfenden Geschäftsaktivitäten sicherzustellen.

Wie geht es weiter?

Ist der Entschluß gefallen, Nearshoring als stabilisierende Maßnahme umzusetzen, stehen die Führungskräfte und Entwicklungsstrategen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor einer entscheidenden Weichenstellung. Es gilt, die optimale Nearshoring-Strategie zu finden.

Sie stehen vor der Wahl entweder eine eigene Auslandsniederlassung zu gründen  oder sie knüpfen eine Partnerschaft mit einem lokalen Unternehmen, was zur definierten Nearshoringstrategie und zur eigenen Firmenkulur passt.

Jeder dieser Wege birgt eigene Chancen und Herausforderungen, deren sorgfältige Abwägung entscheidend für den Erfolg sein wird. Im Folgenden werden wir diese beiden Optionen detailliert beleuchten.

Option 1: Aufbau einer eigenen Nearshore-Niederlassung

Vorteile

An erster Stelle sollen an dieser Stelle die beiden Themen Kontrollmöglichkeiten und der hohe Integrationsgrad im Unternehmen genannt sein. Eine eigene Niederlassung ermöglicht es optimal, Unternehmenswerte und –standards, sowie die für den Markenauftritt wichtige Corporate Identity direkt umzusetzen und aufrechtzuerhalten. Definierte Prozesse und Abläufe, standadisierte Hard- und Software, die für betriebliche Abläufe unternehmensweit eingesetzt werden, können relativ einfach skaliert werden.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Teamkonsistenz und damit das direkte  Zusammengehörigkeitsgefühl. Fest angestellte Mitarbeiter können ein hohes Maß an Loyalität entfalten und ermöglichen es dem Unternehmen, langfristige Entwicklungsmöglichkeiten anzubieten

Nachteile

Nicht zu unterschätzen sind die hohen Kosten und die Risiken, die sich aus landesspezifisch rechtlichen und lokalen Besonderheiten speisen. Der Aufbau einer eigenen Niederlassung erfordert signifikante Investitionen sowie Zeitaufwand und birgt Risiken, besonders bei Unkenntnis lokaler Marktbedingungen.

Ein hoher Verwaltungsaufwand und umfassende Verantwortung für sämtliche Betriebsaspekte sowie für landesspezifische arbeits- und steuerrechtliche Belange.

Die Einrichtung und Implementierung bindet Ressourcen, die eventuell anderweitig effektiver und wertschöpfend eingesetzt werden könnten.

Re- und Nearshoring ist ein Trend. Das führt dazu, dass viele Unternehmen an beliebten Nearshoringstandorten Standorte gründen und um talentierte Mitarbeiter kämpfen müssen. Das führt tendenziell dazu, dass verstärkte Fluktuation von Personal eine wichtige Herausforderung ist.

Option 2: Zusammenarbeit mit einem lokalen Unternehmen

Vorteile

Lokale Firmen bringen entscheidende Marktkenntnisse und darüber hinaus etablierte Netzwerke mit. Der wichtigste Vorteil, der in diesem Kontext zu nennen ist, stellt den Zugriff auf persönliche Bindungen zu den relevanten Quellen von Fachkräften dar. Zu diesen Quellen gehören in erster Linie die lokale Hochschullandschaft und der Unternehmenskomplex, der vor Ort bereits aktiv ist.

Die Zusammenarbeit mit einem lokalen Unternehmen, was optimal zum eigenen  Firmenprofil passt, bringt Flexibilität und Skalierbarkeit. Besonders, wenn es um die flexible Eränzung des eigenen Teams mit externen Experten zur Abwicklung von kurzfristigen, kleinvolumigen und technologisch vielseitigen Projekten geht, kann die Zusammenarbeit mit lokalen Partner von großem Vorteil sein. Expertise- und Ressourcenerweiterung zu wettbewerbsfähigen Kosten sind die Stichworte, die hier relevant sind.

Diese Atmungsfähigkeit gilt in beide Richtungen der Wirtschaftsentwicklung. Mit einem externen Partnern sind die Unternehmen  anpassbar, an sich verändernde Marktbedingungen.

Im Gegensatz zur eigenen Niederlassung kommen zudem deutlich geringere Anfangsinvestition auf die Unternehmen zu. Diese Option ist weniger kapitalintensiv und somit generell risikoärmer.

Nachteile

Die Abhängigkeit von externen Partnern kann zu Herausforderungen führen, die sich im Bereich der Kostenkontrolle und den prozessualen Abläufen verbergen können.

Mögliche Unterschiede in der Arbeitskultur und der Sprache, können Probleme verursachen und Kommunikationsbarrieren errichten.

Minimierung der Nachteile

Durch sorgfältige Partnerauswahl und natürlich durch geschickte Vertragsgestaltung sowie stetige Kommunikation können viele dieser Herausforderungen bewältigt werden. Klare Vereinbarungen über Kontrolle, Kommunikation und Qualitätsstandards sind hierbei als entscheidend zu nennen.

Zusammenfassung

Die Entscheidung zwischen dem Aufbau einer eigenen Niederlassung und der Zusammenarbeit mit einem lokalen Unternehmen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Während eine eigene Niederlassung vollständige Kontrolle und direkte Integration bietet, ermöglicht eine Partnerschaft Flexibilität, Zugang zu lokalem Know-how und reduziert finanzielle Risiken. Letztlich sollten Unternehmen eine gründliche Analyse ihrer spezifischen Bedürfnisse und Ressourcen durchführen, um die beste Entscheidung für ihre individuelle Situation zu treffen. In einer zunehmend vernetzten und dynamischen Geschäftswelt kann die Wahl der richtigen Nearshoring-Strategie einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen.

Sie planen die Zusammenarbeit mit einem kompetenten Nearshoringpartner in der Softwarentwicklung oder denken darüber nach?

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